SCHERBENHELDEN – Lesung mit Johannes Herwig und Diskussion zum Lebensgefühl in Zeiten rechter Dominanz

Haugwitzstube auf dem SchlossMehr als 30 Gäste kamen am Dienstag, dem 12.11.2024 in der Haugwitzstube auf dem Tauchaer Schloss zusammen, um Johannes Herwigs Lesung aus seinem Buch „Scherbenhelden“ zu lauschen.

Johannes Herwig, der aus Leipzig kommt, vertrat sehr kurzfristig den Autor Jakob Springfeld, der krankheitsbedingt nicht aus seinem Buch „Unter Nazis“ vorlesen konnte.

Beide Autoren eint, autobiographische Erfahrungen mit rechter Gewalt in Textform zu bearbeiten – zu unterschiedlichen Zeitpunkten und auf verschiedene Art und Weise.
Trotz der kurzfristigen Planänderung waren die Menschen interessiert, aufgeschlossen und kamen mit den Beteiligten ins Gespräch. Es gelang einen Bogen zu spannen: Von dem Roman mit autobiografischen Zügen, der in den 90ern in Leipzig spielt, bis hin zur teils ernüchternden Realität in Taucha heute.

Einige Jugendliche trugen gesammelte Texte zu ihren persönlichen Erfahrungen in Taucha vor. Wie der Alltag für sie aussieht; was es bedeutet, einfach anders auszusehen und zu denken; ausgegrenzt und angepöbelt zu werden. Das ist vielen sehr nahe gegangen.

Die Texte waren bedrückend, düster und leider auch pessimistisch. Auch in der anschließenden Diskussion zeichneten die Jugendlichen ein trauriges Bild von Taucha: Wie muss das sein, in so einer Kleinstadt aufzuwachsen und nur noch den Wunsch zu haben, von hier weg zu gehen? Wer soll hier die Zukunft bunt und vielfältig gestalten?

Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, dass man eben doch nicht ganz alleine ist mit der Angst, der Ohnmacht und der Ratlosigkeit.

Es war ein offener und empathischer Austausch, der Interesse signalisierte und Verständnis generierte, aber auch gesellschaftliche Leerstellen deutlich machte. Die Jugendlichen wollen gemeinsam an weiteren Texten arbeiten, perspektivisch wird eine kleine Publikation entstehen.

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Rückblick – Gedenken am 09.November in Taucha

Auch in Taucha wurde am 9. November der Opfer der Novemberpogrome im Jahr 1938 und der von NS-Verfolgung Betroffenen gedacht. Etwa 20 Menschen nahmen an dem Gedenkspaziergang teil.

Dieser startete an der Stolperschwelle am Marktplatz, welche an die NS-Zwangsarbeiter:innen und insbesondere die KZ-Häftlinge des Außenlagers des KZ Buchenwald in Taucha erinnert. [Unsere Kritik an der Inschrift und dem Verlegeort -> hier]

Zweite Station war Tauchas bislang einziger Stolperstein, welcher 2024 von Schüler:innen des Geschwister-Scholl Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Erich Zeigner Haus e.V. vor dem Wohnhaus in der Marktstraße 16 verlegt wurde.

Auf der Brachfläche in der Eilenburger Straße 21 stand mal ein Wohnhaus in welchem Henriette Lippmann wohnte. Sie war Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, emigrierte nach Frankreich und wurde am 07.03.1944 von dort aus in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und am 08.05.1945 für tot erklärt. An allen Stationen wurden Kerzen abgestellt und kurze Texte verlesen.

Wie auch bei der darauf folgenden Station zu Rudolf Winkelmann, in der nach ihm benannten Straße. Rudolf Winkelmann wurde als Zeuge Jehovas von den Nazis verfolgt wurde. Er wurde für mehrere Jahr im Konzentrationslager inhaftiert und starb kurz nach der Befreiung an den folgen der Haftbedingungen.

Letzte Station war das Rathaus Taucha. Das Gebäude war ursprünglich das Amtsgericht. Im Hinterhof befand sich das Gefängnis, in welches schon im März 1933 als frühes bspw. wildes Konzentrationslager für politische Gegner*innen des NS-Regimes fungierte. Im Anschluss gab es noch Raum für Austausch und das Teilen von eigenen Geschichten und Perspektiven.

Wir danken allen Teilnehmer*innen für das würdevolle Gedenken.
#WeRemember

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ERSATZ – 12.11. SCHERBENHELDEN / Lesung & Diskussion mit Johannes Herwig

Beginn 18.3oUhr in der Haugwitzstube (Haugwitzwinkel 1, 04425 Taucha)

Da Jakob Springfeld leider krank ist, springt kurzfristig Johannes Herwig ein und liest aus seinem Buch „Scherbenhelden“. Außerdem werden ein paar Jugendliche aus Taucha von ihren Erfahrungen mit der rechten Präsenz in Taucha berichten. Im Anschluss stehen die Beteiligten zur Diskussion zur Verfügung. Wir wünschen Jakob gute Besserung und danken Johannes für die Spontanität. Wir freuen uns auf rege Teilnahme und pünktlichen Beginn 😉.

Solidarische Grüße aus Taucha
SAfT e.V.

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Gedenkspaziergang zum 9. November in Taucha

Gedenkspaziergang in Taucha zum 9. November Anlässlich des Jahrestags der Novemberpogrome im Jahr 1938 laden wir ein zum Gedenkspaziergang in Taucha.

Auch in Sachsen brannten an diesem Tag Synagogen. Jüdische Geschäfte und Friedhöfe wurden zerstört, Versammlungsräume, Wohnungen und Gebetsräume geplündert. Die Pogromnacht war ein weiterer Höhepunkt der Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden.

In Taucha werden wir dieser Ereignisse gedenken und Orte besuchen, an denen Menschen gelebt haben, die von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten betroffen waren.

  • Treffpunkt: 17 Uhr am Markt Taucha
  • Abschluss gegen 18:30 Uhr am Rathaus Taucha

In ganz Sachsen finden vom 7.-13.November 2024 Veranstaltungen zum Gedenken an die Novemberpogrome vor 86 Jahren statt. Eine Übersicht zu #WeRemember findet sich u.a. hier: https://slag-aus-ns.de/mitteilungen/gedenken-novemberpogrome-2024/

Solidarische Alternativen für Taucha e.V. ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.

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12.11.2024 „Unter Nazis“ Lesung und Diskussion mit Jakob Springfeld

12.11.2024 / 18.30Uhr in der Haugwitzstube, Haugwitzwinkel 1, 04425 Taucha

© CocoVillosa

Jakob Springfeld wurde 2002 in Zwickau geboren und ist dort auch aufgewachsen. Im gemeinsam mit dem Co-Autor Issio Ehrich verfassten Buch „Unter Nazis“ wird von den schwierigen Bedingungen berichtet, unter denen sich Menschen in seiner Heimatstadt für Klimaschutz, Vielfalt, Toleranz und Menschenwürde einsetzen. Für seinen Einsatz erhielt er 2020 die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte. Jakob Springfeld liest aus dem Buch „Unter Nazis“ und steht zur anschließenden Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung. Warum Aufgeben keine Option ist und es auch Anlass für Hoffnung gibt, wollen wir gemeinsam mit dem Autor diskutieren.

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Rechte Gewalt in Taucha früher und heute

Wir wollen den Anlass auch nutzen gemeinsam auf die Verhältnisse in Taucha zu schauen. Wir möchten alle Tauchaer*innen ermutigen ihre Geschichten und Erfahrungen mit rechter Gewalt in Taucha zu teilen. Kommen Sie dazu gerne vorab auf uns zu oder sprechen Sie uns bei der Veranstaltung direkt an. Alternativ möchten wir Sie einladen uns ihre Erfahrungen – ob aus den 90ern oder den letzten Jahren – gerne per eMail zu schicken oder anonym das Forumlar auf der Homepage des Dokumentations- und Rechercheprojektes Chronik.LE → https://chronikle.org/ereignismelden zu nutzen.

Mit Solidarischen Grüßen

SAfT e.V.

PS

Wichtiger Hinweis:
Angehörige und Sympathisant_innen von faschistischen, rassistischen und antisemitischen Organisationen haben auf unserer Veranstaltung nichts zu suchen. Die Veranstalter_innen behalten sich vor solche Personen von der Veranstaltung auszuschließen.

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7.9.2024: 80. Jahrestag des ersten Transports von KZ-Häftlingen in das Außenlager Taucha

Am 07.09.1944 erreichte der erste Transport mit 500 Sintize- und Romnja-Frauen aus dem KZ-Außenlager Altenburg das Außenlager in Taucha. Beide Standorte sind Außenlager des KZ-Buchenwald. Die vom SS-Kommando „HASAG“ geführte Transportliste ist in den Arolsen Archives erhalten und über die Online-Datenbank unter folgendem Link abrufbar → https://collections.arolsen-archives.org/de/archive/1-1-5-1_8036500 (ab Seite 5).

Im Tauchaer KZ-Außenlager in der heutigen Matthias-Erzberger 3a (ehemals Freiherr-vom-Stein-Str. 4) wurden von September 1944 bis Mai 1945 Zwangsarbeiter*innen inhaftiert, welche für die HASAG Rüstungsgüter ´herstellen mussten und unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht wurden. Die HASAG übernahm das Lager 1944 von den Mitteldeutschen Motorenwerken, welche dort 750 Zwangsarbeiter*innen untergebracht hatten. Während der Nutzung als KZ-Außenlager waren dort etwa 1300 Frauen und 450 Männer –  vor allem Jüd*innen und Sintize und Romnja – zur gleichen Zeit inhaftiert. Mehrere hundert Gefangene wurden in die Konzentrationslager Buchenwald, Ravensbrück und Bergen-Belsen wegen mangelnder Arbeitsfähigkeit deportiert. 

Am 14. April 1945 wurde der größte Teil der Gefangenen bei der Räumung des Lagers auf einen Todesmarsch durch Sachsen gezwungen. Die Jüdin Ruth Elias überlebte die Verfolgung im Nationalsozialismus. Sie blieb bei der Evakuierung im Lager zur Betreuung von verletzten Inhaftierten zurück. Ihre Erinnerungen an die Zeit in Taucha sind in ihrer Biografie „Die Hoffnung erhielt mich am Leben“* niedergeschrieben. Auch von weiteren Inhaftierten sind Erinnerungen überliefert.

Heute steht auf dem ehemaligen Lagergelände eine Solaranlage. Die Fläche wurde durch das  Sächsische Landesamt für Archäologie als Bodendekmal eingetragen. Am Ort selbst erinnert heute nichts an die ehemalige Nutzung als KZ-Außenlager.

Die HASAG galt als nationalsozialistischer Vorzeigebetrieb, welcher in Taucha zum Ende des zweiten Weltkrieges zwei Werksstandorte betrieb, für die zum Teil jüdische Firmen enteignet wurden. → siehe https://hasagpuzzle.hypotheses.org/650

In Taucha wurden seit 1935 mehrere Rüstungsbetriebe angesiedelt. Tausende „zivile Zwangsarbeiter*innen“, Kriegsgefangene und KZ-Inhaftierte wurden in Taucha in großen und kleinen Lagerstandorten untergebracht. An diese erinnert eine Stele am Kleinen Schöppenteich seit 2007. Der große organisierte Zuzug von Arbeiter*innen und die Verschleppung von Zwangsarbeiter*innen führte zu enormen baulichen Veränderungen in der kleinen Stadt am Rande von Leipzig. Die Infrastruktur der NS-Rüstungsindustrie und ihrer Folgeerscheinungen prägen das Stadtbild bis heute. Die Einwohner*innenzahl verdreifachte sich zwischen 1933 und 1945.

Das Gefolgschaftshaus der HASAG in Taucha wurde Anfang 2022 unter Denkmalschutz gestellt → https://hasagpuzzle.hypotheses.org/1694. 2022 wurde außerdem in einem Projekt des Erich-Zeigner-Haueses gemeinsam mit Schüler*innen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums eine Stolperschwelle am Tauchaer Marktplatz verlegt, welche an die ehemaligen KZ-Inhaftierten erinnert https://saft.noblogs.org/post/2022/02/04/kritische-anmerkungen-zu-geplanten-verlegung-einer-stolperschwelle-in-taucha/

2024 wurden Digitale Rundgänge zur HASAG in Taucha öffentlich zugänglich gemacht, welche über mehrere Monate von Studierenden im Rahmen eines Seminars an der Universität Leipzig erarbeitet wurden → https://hasagpuzzle.hypotheses.org/4402.

Wir möchten das Erinnern und Gedenken wach halten.

SAfT e.V. – Solidarische Alternativen für Taucha

*Das Buch ist in der Tauchaer Stadtbibliothek verfügbar.

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Aufruf: Arbeit des Tauchaer Stadtrats und der AfD-Fraktion kritisch begleiten!

Text des Aufrufs.Am heutigen 8. August 2024 tagt erstmals der neu gewählte Stadtrat in Taucha. Dort sind nach der Kommunalwahl im Juni 2024 insgesamt vier Stadträte der AfD präsent, die nun als Fraktion auftreten können.

Die AfD und ihre Vertreter*innen tragen derzeit vielerorts mit Hass und Hetze zur Spaltung der Gesellschaft bei. Sie rechtfertigen Diskriminierung und Ausgrenzung, beschimpfen die Medien als „Lügenpresse“ und verharmlosen die Verbrechen des Nationalsozialismus. Sie sind eng mit anderen Akteur*innen der neuen und alten Rechten vernetzt und stacheln zu Gewalt gegen Menschen auf, die nicht in ihr Weltbild passen. Spätestens mit den anstehenden Landtagswahlen wird mit einer neuerlichen Zunahme rechter Gewalt gerechnet.

Wir rufen dazu auf, die Stadtratsarbeit allgemein und die Arbeit der AfD-Stadträte im speziellen sehr bewusst und kritisch zu begleiten. Den Feinden einer vielfältigen, offenen und demokratischen Gesellschaft sollten wir auf die Finger schauen, wenn sie versuchen sollten, Hand an die demokratischen Institutionen zu legen.

Auch die Vertreter*innen demokratischer Parteien sollten wir stetig an ihre Verantwortung erinnern, sich hier klar abzugrenzen.

Und ebenso liegt es an uns als Bewohner*innen von Taucha, eine demokratische und vielfältige Gesellschaft im Kleinen wie im Großen zu verteidigen, gemeinsam mit den demokratischen Parteien im Stadtrat und allen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Rechte Gewalt und Gewaltandrohungen dürfen keinen Platz in unserer Stadt und auch anderswo haben. Den Betroffenen sollten wir unsere Unterstützung anbieten und ihnen zur Seite stehen.

Zugleich gilt es, unsere demokratischen Praxis weiter zu entwickeln. Das können und müssen wir im Alltag tun. Aber auch, indem wir uns in die politischen Diskussionen und Entscheidungen in Taucha bewusst und aktiv einbringen und diese selbst mitgestalten.

Solidarische Alternativen für Taucha – SAfT e.V.
Taucha, 8.8.2024

Der Aufruf ist als PDF hier zu finden: Aufruf_Stadtratsarbeit-kritisch-begleiten_2024-08-08

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Freitag, 9.8.24: Lesung und Diskussionsrunde „Deutschlands Querfront“ mit Tomasz Konicz

Cover des Buchs Deutschlands Querfront von Tomasz KoniczEinladung zur Lesung und Diskussionsrunde mit Tomasz Konicz zu seinem Buch „Deutschlands Querfront“
Zeit: Freitag, 9.8.2024, 18:00 Uhr
Ort: VHS Nordsachsen, Dewitzer Str. 33/35, 04425 Taucha

Querfront gehört zu den umkämpften Begriffen. Die Arbeitsdefinition „öffentliche Zusammenarbeit von Linken und Rechten auf einer organisatorischen Ebene“ kommt bei einigen Themen wie „Frieden“ punktuell zusammen. In den letzten Jahren entstehen Gruppen, deren Erfolgsrezept genau darin besteht. Wir sehen in bestimmten populistischen Neugründungen und  Abspaltungen, Querdenken und Freier „Linke“ eine gefährliche Entwicklung, die nicht nur die Straßen und Parlamente kosten wird. Autor Tomasz Konicz hat im Mai ein Buch „Deutschlands Querfront“ veröffentlicht. Er bezeichnet das Phänomen als Tranformations-Riemen, der rechte Ideologie in die Linke und Personal für Rechte mobilisierbar macht. Ein doppelter Verlust.
Was sind die Ursachen für Querfront? Warum ist sie erfolgreich? Worin liegt ihre Falschheit?

Wir haben Konicz nach Taucha eingeladen und wollen im Anschluss mit euch über die Querfronten in Sachsen diskutieren in Hinblick auf die Montagsdemos und Landtagswahlen.

Organisator der Veranstaltung sind SAfT e.V. – Solidarische Alternativen für Taucha und die Antiverschwurbelte Aktion (AvA). Die AvA ist ein bundesweites Aktionsbündnis gegen Verschwörungstheorien. Mit satirischen Demos als Echsenmenschen verkleidet nehmen wir die montäglichen Volksaufstände auf die Schippe.

Tomasz Konicz ist ein deutscher Journalist und Publizist polnischer Herkunft, der sich intensiv mit den Themen Kapitalismuskritik, Globalisierung und Klimawandel auseinandersetzt. In seinen Arbeiten analysiert er die ökonomischen und politischen Dynamiken der Gegenwart und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Sein aktuelles Buch „Die Querfront in Deutschland“ erschien 2024 im Selbstverlag.

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Berührende Lesung im Schloss: Taucha sammelt 250 € für Seenotrettung im Mittelmeer

Fast 30 Zuhörer*innen fanden am Sonntag den Weg zur szenischen Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“ in der Kulturscheune des Tauchaer Schlosses. In Anwesenheit des Autors, Antonio Umberto Riccò, führte das neu gegründete Theaterkollektiv Miranda das Stück von „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ aus Hannover auf.

Autor Antonio vor der Lesung des Stücks

Die fünf Sprecher*innen liehen den Beteiligten des Unglücks am Morgen des 3. Oktober 2023 ihre Stimmen. Wenige hundert Meter von der Insel Lampedusa entfernt ertranken damals 366 von insgesamt 545 Passagiere eines überfüllten Flüchtlingsschiffs – Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien.

Die Verunglückten kommen zu Wort mit den Geschichten ihrer Flucht, der Überfahrt, ihrem Erleben des Unglücks.

Und die Helfenden schildern ihr Erleben: hunderte Menschen im Meer, die ihnen vollkommen entkräftet ihre Hände entgegen strecken. Die Unmöglichkeit, mehr Menschen retten zu können, das Mitansehen-Müssen, wie viele Menschen sterben müssen.

Und die sich aufdrängende Frage, warum nicht mehr Menschen gerettet werden konnten. Wo die Küstenwache so lange blieb. Warum einzelne Boote nicht halfen. Aus Angst vor der Bestrafung durch die italienischen Behörden, die helfende Seeleute mit Anklagen überziehen?

Begleitet wird die Lesung von Bildern von Rettungsaktionen der zivilen Rettungsschiffe, von Bildern von geretteten Kindern, Frauen und Kindern – von Trauer und Wut, Entsetzen.

Lesende des Theaterkollektives Miranda

Die Stille danach…

Nach dem Ende der Aufführung herrschte Stille, die der Autor Antonio Umberto Riccò behutsam unterbrach und berichtete, dass dies nach allen Lesungen passiert, weil es einfach nicht passend erscheint, zu applaudieren.

Gefragt nach den Beweggründen, warum er dieses Stück erarbeitet hat, erläutert Riccò von seiner Beobachtung, dass uns Nachrichten wie das im Zentrum der Lesung stehende Unglück in der Regel nur für wenige Tage intensiv berühren, dann aber wieder in den Hintergrund geraten und vergessen werden. Und dagegen wollte er etwas tun.

Noch heute ist er in Kontakt mit Menschen, die damals geholfen haben, die morgens auf ihren Fischerbooten unterwegs waren und lebendige und auch tote Menschen aus dem Meer bargen – und denen es schwer fällt, mit diesen Erlebnissen weiter zu leben.

Eines der Mitglieder des Theaterkollektivs erzählt davon, wie sehr sie sich wünscht, dass den geflüchteten Menschen mit ihren jeweils sehr eigenen Geschichten hier im Alltag einfach mehr Freundlichkeit entgegen gebracht wird: dass es nicht schon als ausreichend und ehrenwert erachtet wird, sie freundlich zu ignorieren – sondern dass ihnen auch ein Lächeln geschenkt wird, Interesse, Menschlichkeit…

Sächsische Zivilgesellschaft unterstützt Seenotrettung

Im Publikum waren zwei ehrenamtliche tätige Menschen der „Watch the med Alarmphone“-Initiative (mehr: https://alarmphone.org/de/ueber-uns/), die von ihrer Arbeit berichteten. Darüber hinaus gibt es u.a. die Sea-Eye Regionalgruppe Halle-Leipzig (https://sea-eye.org/gruppe-leipzig-halle/), deren Spendenaktion mit den 250 € unterstützt wird, die im Rahmen der Veranstaltung gesammelt wurden.

Wer für die Seenotrettung im Mittelmeer spenden möchte, kann das u.a. hier tun:
https://sea-eye.org/gruppe-leipzig-halle/

Weitere Lesungen und Demokratieprojekte

Die deutsch-italienische Gruppe „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ um Antonio Umberto Riccò arbeitet an weiteren Projekten, aktuell an einem „Demokratie-Stück“: In „Nachbarn. Sie waren Freunde, gute sogar“ treffen zwei frühere Nachbarn aufeinander, die in einer autoritären Gesellschaft nun auf verschiedenen Seiten stehen. Hier sind weitere Projekte der Gruppe zu finden: https://www.lampedusa-hannover.de/projekte/

Wenn Interesse an weiteren Aufführungen in Taucha und der Region besteht, sind wir als SAfT e.V. – Solidarische Alternativen für Taucha sehr interessiert, diese zu unterstützen und offen auch für gemeinsame Veranstaltungen.

 

 

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Szenische Lesung des Theaterkollektivs Miranda: „Ein Morgen vor Lampedusa“ – Sonntag, 28.4.2024 im Schloss Taucha

Poster: Ein Morgen vor LampedusaAuf Lampedusa befinden sich Spuren griechischer, römischer, byzantinischer und arabischer Siedlungen. Zudem diente die Insel vielfach Seefahrern als Stützpunkt. Allerdings waren die meisten der zu Sizilien gehörenden Inseln wie auch Lampedusa seit der normannischen Zeit, also dem 11. Jahrhundert unbewohnt. Im Zuge des Arabischen Frühlings und des internationalen Militäreinsatzes in Libyen entwickelte sich Lampedusa aufgrund seiner Nähe zu Nordafrika zu einer von Migrant*innen angesteuerten Zwischenstation bei der Flucht über das Mittelmeer. (Quelle: Wikipedia)

Das neu gegründete Theaterkollektiv Miranda führt die szenische Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“ auf, die von einer Projektgruppe in Hannover in den Jahren 2013/2014 entwickelt wurde und bisher über 400 Mal aufgeführt wurde.

Die Beschreibung zum Stück beginnt wie folgt:

„Vor der italienischen, zwischen Sizilien und Afrika gelegenen Insel Lampedusa versinkt am 3. Oktober 2013 ein mit 545 Flüchtlingen völlig überladener Kutter. 366 von ihnen ertrinken: Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien, die vor Krieg und Armut flohen, voller Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. […]

Ziel des Projektes ist es, Jugendliche und Erwachsene auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam zu machen, sie dafür zu sensibilisieren und die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen zu erhöhen. Mit den Lesungen setzen wir auch ein Zeichen konkreter Solidarität mit Flüchtlingen, indem alle Erlöse aus den Eintritten an anerkannte Organisationen weitergeleitet werden, die für und mit Flüchtlingen arbeiten.

Die zentralen Fragen der Lesung sind: Was geschah an jenem Morgen? Was erlebten die Flüchtlinge? Wie reagierten Einwohner, Touristen, Behörden? Hätte man mehr Menschen retten können? Wer trägt die Verantwortung für die Tragödie? Was müssten Italien und Europa tun, damit sich solche Ereignisse in Zukunft nicht mehr wiederholen?“

Weitere Informationen: https://www.lampedusa-hannover.de/ein-morgen-vor-lampedusa/

Der Autor des Stücks, Antonio Umberto Riccò, wird ebenfalls vor Ort sein.

Ort: Kulturscheune Schloss Taucha, Haugwitzwinkel 1
Zeit: Sonntag, 28.4.2024, 17 Uhr.

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