Selbstverständnis

Im vergangenen Jahr waren in Taucha zunehmend rechte Sprüche und Symboliken im öffentlichen Raum zu sehen. Neben Kennzeichen von verfassungswidrigen Organisationen,
diversen Aufklebern neo-nazistischer Parteien, aber auch eigens produzierten Stickern
mit der Aufschrift „Taucha bleibt rechts“ prangten Sprüche wie „Volkstod stoppen –
Demokraten verkloppen“ oder „NS-Area“ auf Hauswänden und Parkbänken.
Diverse Sachbeschädigungen mit rechtem Hintergrund und das Verwenden von
verfassungsfeindlichen Zeichen wurden polizeiliche registriert, jedoch keine
Verdächtigen ermittelt. Es kam des weiteren zu Pöbeleien und Bedrohungen durch rechte
Jugendliche in Taucha. Außerdem erhielt die AfD bei der letzten Bundestagswahl knapp
ein Drittel der gültigen Stimmen in der Stadt. Es gibt also auch in Taucha allen Grund
zur Beunruhigung über den aktuellen Zustand der demokratischen Gesellschaft.
Mit dem Aktionstag „Taucha ohne Rassismus“ am 22.09.2018, der aktiven Unterstützung von
Geflüchteten durch engagierte Tauchaer*innen und einer relativ klaren Positionierung
des Tauchaer Bürgermeisters gibt es allerdings auch ein paar Lichtblicke.

Wir wollen uns als Initiative dafür einsetzen, dass in Taucha ein soziokulturelles
Angebot entsteht, welches von den Nutzer*innen weitest gehend selbst getragen bzw.
organisiert wird. Wichtig ist uns, für Jugendliche aber auch für ältere Tauchaer*innen mittelfristig einen Anlaufpunkt zu etablieren, an dem ein gleichberechtigtes und solidarisches
Miteinander im Vordergrund steht. Ein Ort, den wir selber gestalten und mit Leben
erfüllen können, an dem wir voneinander lernen, uns gegenseitig inspirieren und
gemeinsam über den Tellerrand schauen. Wir wollen Mut machen, dass Veränderungen
möglich sind und dass es sich lohnt, für eine sozial gerechtere Welt ohne Grenzen zu
streiten.

Wir wollen uns gemeinsam für einer emanzipatorische Gesellschaft einsetzen, in der
vielfältige Lebens- und Liebensweisen Platz haben.
Wir wollen dazu beitragen, Herrschaftsverhältnisse und Ideologien zu überwinden, welche die Ungleichwertigkeit von Menschen behaupten und so das demokratische Gemeinwesen bedrohen. Die Abwertung von Menschen zielt vor allem darauf ab, sie vom Zugriff auf Ressourcen und damit von gesellschaftlicher Teilhabe auszuschließen. Dem wollen wir uns entgegenstellen.

Wir wollen Aktivitäten von rechts und von Nazis thematisieren und dafür sensibiliseren.
Wir haben Lust auf vielfältige kulturelle Veranstaltungen, politische Bildung und eine
lebendige, demokratische und unbequeme Zivilgesellschaft!!! Dafür ist konstruktiver
Streit und ein offener Umgang mit Konflikten existenziell.

Wir wollen mit anderen Akteuren in Taucha und darüber hinaus zusammenarbeiten,
Bündnisse schmieden und gemeinsam für eine demokratische, offene und gewaltfreie
Gesellschaft im Kleinen wie im Großen kämpfen. Wir wollen die Welt und uns selbst
verändern. Uns frei machen von Vorurteilen und starren Rollenbildern. Wir wollen uns
für eine solidarische Gesellschaft engagieren und gegen die Diskriminierung von
Menschen wegen ihrer Herkunft, sexueller Identität, Religionszugehörigkeit oder
sozialem Status eintreten.

SAFT – Solidarische Alternativen für Taucha ist eine Initiative von Menschen die in
Taucha wohnen, arbeiten oder aus anderen Gründen dort viel unterwegs sind. Einige von
uns waren unter anderem in Taucha bereits von rechter Gewalt in Form von
Einschüchterungsversuchen, Bedrohungen und Übergriffen betroffen.

Druckversion: SAFT_Selbstverständnis_April2019

Stand: Frühjahr 2019