Das diesjährige offizielle Gedenken an die Opfer des Nationalsozialimus am Kleinen Schöppenteich war geprägt von der Rede von Bürgermeister Tobias Meier, der sich in dieser auf die besondere Rolle Tauchas mit seinen vielen Tausend Zwangsarbeiter*innen und Häftlingen des KZ-Außenlagers von Buchenwald bezog.
Mit dem Blick auf heute appellierte er an die Anwesenden: „Demokratie heißt: Hinsehen. Nicht abwarten, nicht relativieren. Demokratie ist eine Entscheidung. Die Entscheidung, nicht wegzusehen. Die Entscheidung für Vielfalt, für Kompromiss. […] Demokratie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, auch dann, wenn sie unbequem ist.[…] Ich danke allen, die nicht wegsehen, allen die erinnern, allen die widersprechen – und dann am Ende ist dann doch: Nie wieder ist jetzt.“
Zur anschließenden Lesung im „Raum für Demokratie“ in der Leipziger Str. 44 fanden etwa 17 Gäste ihren Weg. Es wurden Auszüge aus Ruth Elias Buch „Die Hoffnung erhielt mich am Leben“ sowie aus Joachim A. Lang und Thomas Weber Publikation: „Nach der Nacht. Holocaustüberlegende über die Zukunft der Demokratie“ vorgelesen.
Im nachfolgenden Gespräch wurde auf den Besuch von Ruth Elias in Taucha im Jahr 1995 und ihre Lesung aus ihrem Buch am Geschwister-Scholl-Gymnasium verwiesen. Ruth Elias kam im September 1944 ins Außenlager Taucha des KZ Buchenwald, nachdem sie zuvor u.a. nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppt worden war. Sie erlebte das Kriegsende in Taucha.
In der Diskussion zur Erinnerungspraxis in Taucha wurde auf sehr vielfältige Aktivitäten in den vergangenen Jahrzehnten zurückgeblickt, die von verschiedenen Akteuren in Taucha und darüber hinaus ausgingen. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung der Aktivitäten der Margarete-Blank-Gedenkstätte in Panitzsch sowie der Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig.
Hier findet sich eine Übersicht über Erinnerungspraxen in Taucha: https://saft.noblogs.org/erinnern-an-die-zeit-des-nationalsozialismus-in-taucha-momentaufnahme-der-aktivitaeten-vor-ort/
